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Spielplan:
Alle Termine und Veranstaltungen in der Monatsübersicht:
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Die Geschichte der Freilichtspiele Tecklenburg

Das Bühnengelände 1924
Man schreibt den 20. Juli 1924. Es ist 4 Uhr nachmittags. Auf einer Holztribüne für 2.800 Besucher haben 2.500 Menschen Platz genommen. "Hörnerklang" - das Spiel der "Deutschen Heimatfestspiele Tecklenburg" beginnt. Es ist die Geburtsstunde der "Freilichtspiele Tecklenburg"
Das war natürlich nicht der echte Beginn. Frau Marga Wiskott geb. Fisch (1894 - 1975) - Krimhild in den "Nibelungen" 1925 - weiß aus eigenem Erleben zu berichten, dass der Münsteraner Stud. Ass. Dr. Konrad Maria Krug im Spätherbst 1923 mit seiner Spielschar "Das Feuerschiff" in Tecklenburg "Die Perser" von Aischylos mit gutem Erfolg aufgeführt hatte. Als Gast des damaligen Landrats Dr. Schultz war er bei einem Rundgang durch die Stadt und ihre nähere Umgebung von der Eignung der Burgruine für Theaterspielen so beeindruckt, dass er spontan den Wunsch äußerte, mit seiner Spielschar auf dem ersten Burghof, dem heutigen Bühnen- und Zuschauerraum, spielen zu dürfen.
Dieser Wunsch wurde in Tecklenburg schnell publik. Man erinnerte sich, dass der Bürgerschützenverein im Jahre 1911 - anlässlich seines 125-jährigen Bestehens - neben einem "Festzug" auch mit einem "Festspiel" als besonderem Höhepunkt der wechselvollen Geschichte der Burg und des Landes gedacht hatte.
Der Lengericher Lehrer Karl Scheidt hatte dazu vier Szenen aus der Tecklenburger Geschichte unter dem Titel "Ein Traum der Gräfin Thekla" geschrieben.
Eine Diskussion brachte das Ergebnis: "Wenn auf der Burgruine Theater gespielt werden solle, wäre das eine Sache der Tecklenburger". Dr. Krug wurde gebeten, seine Intentionen vorzutragen. Man einigte sich, dass Krug die Spielleitung erhalten solle und auch einige Mitglieder seiner Spielschar einsetzen dürfe, die Tecklenburger aber den größten Teil der Mitwirkenden stellen. Zur Aufführung sollte Schillers "Wilhelm Tell" gelangen. Es ging nicht darum, eine Freilichtbühne zu schaffen; nein, der Glaube, hier eine vaterländische Aufgabe zu erfüllen, war die Haupttriebfeder und begeisterte die Einwohner Tecklenburgs.
Die Bürger Tecklenburgs waren natürlich Dilettanten im Schauspielwesen, aber alle gaben ihr Bestes. "Von wenig Sachkenntnis getrübt und ohne von des Gedankens Blässe angekränkelt zu sein", so schreibt Marga Wiskott "ging man an das große Unternehmen! Und siehe da, es gelang! "
Wilhelm Tell 1924
Natürlich gab es Probleme, die zu bewältigen waren.
Ein Vorstand wurde gewählt, Unterausschüsse für Spiel, Presse, Verkehr, Platz und Finanzen wurden gebildet.

Der Vorstand 1924
Die künstlerische Leitung lag bei Dr. Krug in professionellen Händen. Mit dem Glauben an einen großen Erfolg wurde auf allen Gebieten mit vorbereitenden Arbeiten begonnen. Aus einer 15-seitigen Broschüre kann man ersehen, dass durch die Aufstellung eines Ehrenausschusses überörtliche Kontakte und damit Hilfen geschaffen wurden. 23 Persönlichkeiten - 15 aus dem Kreisgebiet Tecklenburg und 8 aus der Region konnte man gewinnen. Bei den 8 handelte es sich um den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, den Landeshauptmann, den Regierungspräsidenten Münster, den Präsidenten des Prov.Schulkollegiums, den Wehrkreiskommandeur, den Reichsbahnpräsidenten, den Oberbürgermeister der Stadt Münster und den Rektor der Universität Münster. Daneben enthält diese Broschüre ein Geleitwort des Regierungspräsidenten, ein Vorwort des Landrats, Inhalt und Personenverzeichnis des Schauspiels, Fahrpläne für Sonderzüge sowohl zwischen Lengerich und Ibbenbüren als auch zwischen Münster bzw. Osnabrück und Tecklenburg und zurück ohne Umsteigen direkt bis bzw. von Tecklenburg. Auch die Zusammenstellung von Sonderzügen aus zusammenhängenden Gebieten bei mindestens 600 Besuchern war möglich. Vorverkaufstellen gab es neben Tecklenburg auch in Münster, Osnabrück und Rheine. Die Broschüre enthielt auch "Richtlinien für den Besuch der Heimatfestspiele" und "Richtlinien für die Sonderaufführungen für Jugendliche", in denen Eintrittspreise 3, 2 und 1 Mark - für Jugendliche - 50 Pf. -, der Vorbestellungsritus, die Spielzeit vom 20. 7. bis 31. B. 1924, die Dauer der Vorstellung nach damaligem Sprachgebrauch - 4 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends - und die Möglichkeit einer "Verabreichung warmer Verpflegung zum billigsten Preise (50 Pf. für 1 Portion Hülsenfrucht-Suppe mit 100 g Fleisch)" nach vorheriger Bestellung bekannt gegeben wurden.
Ein großes Problem war natürlich die Lösung der Frage: Wie soll die Spielfläche (Bühne) aussehen und wie und wo sollen die Zuschauer sitzen. Man muss wissen, dass die einst "machtvolle Tecklenburg" seit ihrer "Freigabe als Steinbruch" durch Preußen, welches sie 1707 gekauft hatte, um die Mitte des 18. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Verfall bereits 1787 in einer "Historisch-topographisch-statistischen Beschreibung" so beschrieben wird: "Das Schloss ist völlig niedergerissen. Zwischen den Ruinen haben sich Laub- und Nadelgehölze angesiedelt, und wo sich einst Ritter und Rosse tummelten, weiden jetzt Kühe und blüht der Weizen. Von der einst "Wolkennahen Feste" ist nicht viel mehr zu erkennen als der Umriss."
Außer den beiden Torgewölben und dem Unterbau des Schiffsturms ist kaum etwas übrig geblieben. Es gibt nur eine flache Wiese.
Zwischen diesen letzten Zeugen einer vielleicht zweitausendjährigen Geschichte sollen nun die "Deutschen Heimatfestspiele Tecklenburg" entstehen.
Der als "Bühne" gedachte Teil der Wiese - zwischen den beiden Torgewölben - bleibt unverändert; für die Zuschauer erstellen die Tecklenburger Handwerker innerhalb von 14 Tagen eine riesige "aufsteigende Holztribüne" mit 2.800 Sitzplätzen, von denen man eine gute Übersicht hat. Das Bühnenbild oder besser die Raumgestaltung sieht völlig freilichtbühnengerecht nur das unbedingt Nötige vor: zur Andeutung der "Feste Uri" vor dem rechten Tor nur ein paar Gerüst-Stangen, in der Mitte führt eine Natur-Brücke über die Mulde "Apfelgarten", und ein Birkengeländer deutet das Alpengärtchen Teils an.
Die Bevölkerung des damals 1.200 Einwohner zählenden Städtchens Tecklenburg stand mit unbeschreiblicher Begeisterung schon während der vorbereitenden Arbeiten hinter dem Vorhaben. Fast aus jedem Haus spielt eine Person mit - aus einem sogar acht; insgesamt über 300 Mitwirkende entwickeln eine unglaubliche Spielleidenschaft.
Vor Beginn der Premiere waren bereits 12 Aufführungen, was rund 35.000 Besucher bedeutete, ausverkauft. Aus dem Ruhrgebiet fluten die Menschen heran. 19 Vorstellungen sind vorgesehen. Sondervorstellungen werden eingeschoben. Neben den Sitzplätzen aufgestellte Erfrischungsbuden werden entfernt, wodurch sich die Sitzplatzzahl auf 3.100 erhöht. Zu den beiden Vorstellungen am 17. 8. erscheinen über 10.000 Besucher, die natürlich nicht alle Einlass erhalten können. Um Verkehrsstockungen in den Straßen zu vermeiden, konnten Kutschen, Autos, Motor- und Fahrräder nur bis zum Ortseingang mitgenommen werden und mussten dort auf vorbereiteten Plätzen abgestellt werden. Die Spielleitung entschließt sich, die Spielzeit um einen Monat - Ende September - zu verlängern.
Der Besuch ist ungeheuer; über 120.000 Besucher werden gezählt. Der finanzielle Erfolg ermöglicht es, den für die Spiele gemieteten Teil des Burggeländes - Bühnen- und Zuschauerraum - zu kaufen und der Stadt zu übereignen; außerdem kann ein ansehnlicher Betrag zum Bau einer Turnhalle für das junge "Graf-Adolf-Gymnasium" gestiftet werden.
Trotzdem bleibt noch ein ausreichender Betrag für eine neue Spielzeit über. Getragen von einem unglaublichen Gemeinschaftssinn hatten die Tecklenburger sich stark genug gefühlt, das Werk in die eigene Hand zu nehmen, und es auch vollbracht. Fast Unmögliches an Organisation wurde aus dem Boden gestampft, für die kein Rechtsträger da war.
Für die Spielzeit 1925 ändert man den Namen der Spiele von "Deutsche Heimatfestspiele" in "Deutsche Heimatspiele" ab.
Mit Hebbels "Die Nibelungen" wird eine im Ganzen schwerere Aufgabe gewählt. Die Bearbeitung und Inszenierung ist wieder Dr.Krug übertragen. Dieser setzt auch wieder einige Mitglieder seiner münsterischen Spielschar "Das Feuerschiff" ein. Die Mehrzahl der Akteure stellen jedoch die Tecklenburger. Die Hauptrollen sind doppelt besetzt und gewaltige Burganlagen werden erstellt.
"Wir gingen mit Feuereifer an unsere Aufgaben heran", so schreibt Frau Marga Wiskott - Kriemhild II -. "Es war eine herrliche Zeit! Man war so jung und so voller Begeisterung."

Die Nibelungen 1925
Schlechtes Wetter und die Konkurrenz neu entstandener Freilichtbühnen beeinträchtigen den Besuch. In Spielerkreisen prägt man die Worte: "Bei leeren Bänken und Ungewittern sieht man den Vorstand defizittern". Ein erneuter großer "Propagandafeldzug" gegen Mitte der Spielzeit lässt die Besucherzahlen etwas steigen. Am Ende zählt man zwar "nur" 80.000 Besucher - immer noch ein respektabler Erfolg. Der verbleibende Kassenbestand reicht jedoch nicht, eine weitere Spielzeit zu planen. Hinzu kommt, dass die Holztribüne nach zweijährigem Gebrauch und den Witterungseinflüssen nicht mehr die geforderte Sicherheit bietet.
Da hilft alle Begeisterung und aller Idealismus nicht, man muss auf ein neues Spieljahr verzichten.
Da Mittel für eine Instandsetzung und Konservierung fehlen, entschließt man sich, die Holztribüne abzubauen und das Material zu verkaufen.
Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Verhältnisse entwickeln und ändern sich ständig. Diese Tatsache hat in der Vergangenheit auch immer Auswirkungen auf das Tecklenburger Freilichttheater gehabt und wird es auch in Zukunft haben; sie muss beobachtet und berücksichtigt werden.
Die 20er Jahre sind wirtschaftlich nicht die besten; so bleibt das Spielgelände - Bühnen- und Zuschauerraumfläche - in den Jahren 1926 bis 1933 als solches ungenutzt. Aber der Wunsch und Wille, das 1924 begonnene Werk fortzusetzen, bleibt ungebrochen.
Nach dem Abbruch der Holztribüne sieht es wieder ähnlich aus wie vor den ersten Spielen, eine Wiese mit Ruinenresten.
Eine Eigenart der "Nationalsozialisten" ist, alles zu organisieren und in den Griff zu bekommen. So haben sie auch einen "Reichsbund der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele" geschaffen, der überall "Thingstätten in Theaterform" schaffen soll. Dieser, angesprochen, kann aber den Tecklenburgern keine finanzielle Unterstützung geben. So ergreift Wilhelm Strübbe (1898 - 1984), eines der Gründungsmitglieder von 1924, 1934 die Initiative, besorgt durch persönliche Bürgschaft die erforderlichen, nicht unerheblichen Mittel und lässt durch 120 Arbeitskräfte - Notstandsarbeiter und fünfzig Männer des 1932 gegründeten "Freiwilligen Arbeitsdienstes" - die Spielstätte ausbauen. Die Ausbauplanung und Arbeitsüberwachung übernimmt auf der Grundlage eines Vertrages mit der Stadt Tecklenburg vom 24.04.1934, wonach neben einer Barentschädigung von 200 RM, die Fahrtauslagen sowie Kosten der Wohnung mit voller Verpflegung für 2 Personen (Mann und Ehefrau) für die durch die Bauleitung erforderliche Dauer übernommen werden, der am Stadttheater Münster wirkende Bühnenbildner Erich Kempgens (1908 / seit 1944 in Bessarabien vermisst), der aus einem Ödland einen Raum schafft, den man ein Theater nennen darf [und damit eine der schönsten, wenn nicht die schönste Freilichtbühne Deutschlands]. Die Presse schreibt: Wer 1924 den Wilhelm Tell auf dem Burghof der Tecklenburg sah, wird heute den Schauplatz des Spiels nicht wieder erkennen. Unter der Leitung von Erich Kempgens, Münster, wurde der Burghof derartig umgestaltet, dass Tecklenburg heute eine der schönsten Freilichtbühnen Deutschlands ist.
Am 24. März 1934 beginnen die Arbeiten, rund 3.000 Kubikmeter Erde werden bewegt, um einen ansteigenden Zuschauerraum, die eigentliche Bühne und ein zwischen beiden gelegenes Spielbecken (Orchestra) zu schaffen. Dabei wird ein fast 200 Jahre verschütteter, gräflicher Brunnen entdeckt und in die Raumgestaltung einbezogen.
Am 15.05. 1934 erlässt die "Landesstelle Westfalen-Lippe" des "Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda" eine Bekanntmachung, wonach Theateraufführungen unter freiem Himmel anmeldepflichtig sind. Dabei müssen genaue Angaben über Veranstalter, Rechtsträger, Platz, Spieltage, Anzahl der Vorstellungen und die Werke gemacht und wie viel Berufschauspieler beschäftigt werden. Danach wird entschieden, ob die Aufführungen zugelassen werden. Außerdem hat die Errichtung von Thingstätten ausschließlich durch den "Freiwilligen Arbeitsdienst" zu erfolgen. Die Zuteilung erfolgt an die Gemeinden durch die (vorstehend genannte) "Landesstelle" im Einvernehmen mit dem "Gauleiter. " Die Durchführung der Bauprogramme obliegt dem (oben genannten) "Reichsbund." Um das bereits im März begonnene Vorhaben nicht zu gefährden, galt es also, sich zu "arrangieren", denn ohne Zustimmung der "Landesstelle" werden "Thingstätten" zur Veranstaltung von Theater-Aufführungen unter freiem Himmel nicht zugelassen.
Das "Regime" steigt in das Vorhaben ein und nutzt es propagandistisch aus . Am 28.05. 1934 erscheinen (gleichlautende) Artikel der gleichgeschalteten Presse über den Ausbau der Bühne und ihre Geschichte seit 1924; entsprechend gefärbt. Die Bühnenleitung lädt zu einer Tagung für "Amtswalter" und "Presse" für der 09.06.1934 ein, bei der der Landesstellen-Leiter Gelegenheit nimmt, zu dem Thema: "Die Bedeutung für di( Kulturaufgabe des Nationalsozialismus der Freilichtbühnen und der Freilichtbühne Tecklenburg in Besonderen" zu sprechen. Auch über diese Tagung erscheinen Presseberichte.
Vor Beginn der Aufführung am 24.06.1934 spricht nach der Begrüßung durch den Landrat als Veranstalter als einziger der "Landesstellenleiter Schmidt." Die Presse schreibt: ... Heiliger Fanatismus glüht ihm aus den Augen. Hitlersoldat vom Scheitel bis zur Sohle! "Wenn ich die Anregung gegeben habe, diesen Platz zum "Landesthingplatz" auszugestalten, so habe ich es getan, weil es unserem Führer gilt. Unserem Führer haben wir es zu verdanken, wenn wir diesen historischen Platz dem Zwecke der Freilichtspiele dienstbar machten. Fanget an! " - Später wurde dann in die Platte eines zur Bühnendekoration gehörenden Steintisches die Inschrift gemeißelt, dass "Junge Mannschaft des NS-Arbeitsdienstes" - den es nie gegeben hat, der am 26.06. 1935 gesetzlich eingerichtete hieß "Reichsarbeitsdienst" - "diese Freilichtbühne schuf."
Auf Anregung der "Landesstelle" ist die Stadt Tecklenburg als "Rechtsträger" aufgetreten, der neue Name: "Freilichtspiele der Stadt Tecklenburg. "
Das Spiel beginnt also. Es ist wieder Schillers "Wilhelm Tell. " Die Leitung der Spiele hat die Auflage, "Berufsschauspieler" mitwirken zu lassen, erfüllt. Tecklenburg war das Ensemble des Stadttheaters Münster zugewiesen, von dem sechs Mitglieder engagiert wurden, darunter Hanswilhelm Kleffner (* 1903 / T1935), dem die Bearbeitung und Inszenierung des Werkes obliegt. Die Spielzeit beginnt am 24.06. und läuft bis in den September.
Der Spielplan der Bühne sieht drei Vorstellungen pro Woche - Mittwoch, Sonnabend und Sonntag - vor. Durch die Proklamation des Sonnabends zum "StaatsJugendtag", an dem der Schulunterricht ausfällt, er steht dafür der Hitler-Jugend zur "staatspolitischen Erziehung" zur Verfügung, ist die Bühne gezwungen, ab August sämtliche Sonnabend-Vorstellungen abzusetzen.
Der Ausbau des 1. Burghofes 1934 zu einem "Theater-Raum" ist wahrscheinlich die entscheidende Maßnahme gewesen und die Grundlage, dass es die "Freilichtspiele Tecklenburg" heute noch gibt.
1935 werden die Aufführungen "Der 18. Oktober - Völkerschlacht bei Leipzig" - "Ein Spiel von Vaterland und Freiheit" auf der "Freilichtbühne Tecklenburg" - Premiere am 16.06.1935 - 15.000hr - angekündigt. Für die Wahl dieses Stückes sind wohl der Zeitgeist und politische Einflüsse entscheidend. Die Spielleitung ist dem vorjährigen Regisseur, Hanswilhelm Kleffner, nun Oberspielleiter beim Stadttheater Göttingen, übertragen worden. Die Spielgemeinde Tecklenburg ist wieder durch Berufsschauspieler verstärkt.

"Der 18. Oktober" - 1935
Am 11. 06. 1935 verunglückt Kleffner tödlich. Auch der Geschäftsführer, Wilhelm Strübbe, ist bei der Fahrt verunglückt und lange ans Krankenlager gebunden. Der Unfall überschattet die ganze Spielzeit.
Strübbe beschränkt sich daher 1936 auf den "Zigeunerbaron" als Gastspiel des Nationaltheaters Osnabrück, in dem Fred Raul, der spätere Ehemann von Marika Röck, den "Ottokar" spielt.
1937 steht "Der Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von J.W v. Goethe auf dem Plan der "Freilichtspiele Tecklenburg. " Aufführungen sind vom 20. Juni bis 5. September vorgesehen. Die Spielleitung hat Oberspielleiter Eduard Herrmann vom Stadttheater Münster. Neben der Spielgemeinde spielen einige Berufsschauspieler, darunter Martin Held (1908 - 1992), der spätere Staatsschauspieler.
1938 gelingt es Strübbe, das Deutsche Nationaltheater Osnabrück zu 7 Gastspielen von Schillers "Wallenstein" zu verpflichten.
Danach ruht der Betrieb bis nach dem Krieg.
Trotz der wieder relativ langen Unterbrechung bleibt der Wunsch und Wille nach einer Wiederaufnahme des Bühnenbetriebes - der alte "Spielgeist" - ungebrochen. Der 1. Burghof ist zwar keine Wiese mehr, dank des Ausbaues von 1934, sondern ein Theaterraum mit Spielfläche und Zuschauerraum; jedoch haben ihm Kriegsund Nachkriegszeit schwere Schäden zugefügt. Die Liebe zum Spiel beflügelt trotz schwierigster Umstände - das Geld ist nichts wert, das Kompensationsgeschäft blüht - die Bemühungen um eine Instandsetzung bzw. provisorische Nutzung der Bühneneinrichtung.
Wieder ist Wilhelm Strübbe 1946 die Haupttriebfeder.
Natürlich fehlt durch die lange Unterbrechung - auch Kriegsopfer - die Spielgemeinde, die eine lose - kein Verein oder ähnliches - Personengemeinschaft war. So setzt man, damit der Spielbetrieb in Gang kommen kann, auf Gastspiele. Es gibt viele zerbombte Stadttheater mit provisorisch arbeitenden Ensembles und sonstige Theatergruppen ohne Haus. In Osnabrück spielt man wegen des Bombenschadens in der "Blumenhalle".
Als erstes bringt man am 25. 08. und 01.09.1946 "Der Vetter aus Dingsda" des Neuen Operetten-Theaters - Arbeitsgemeinschaft Willi Becker-Bielefeld. Die Bühne firmiert unter "Freilichtspiele der Stadt Tecklenburg. " " Im Weißen Rössl", das Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg der Städtischen Bühnen, Münster folgt am 08. 09. mit Ruth Leuwerik als Klärchen, und am 22. 09. beschließt ein "Großes Operettenkonzert" des "Norddeutschen Volkstheaters" Münster diesen Anfang. Damit haben sich die Freilichtspiele Tecklenburg zurückgemeldet.
Es ist sicher nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass die ersten Jahre nach dem Krieg in jeder Hinsicht schwierig sind. Für unser Unternehmen gut war der Nachholbedarf der Bevölkerung an allem, was man unter "Unterhaltung" versteht.
1947 greift man wieder zu klassischen Werken, wenn auch "nur" als Gastspiel, allerdings mit Einbau von Mitgliedern der "Spielgemeinde": "Die Räuber" von Schiller des Norddeutschen Volkstheaters Münster und "Wilhelm Tell" von Schiller des Emsland-Theaters. Daneben steht die Operette mit "Gräfin Mariza" und "Der Vogelhändler", beides Gastspiele des Operetten-Theaters Bielefeld, auf dem Spielplan. Auch bei den Operetten stehen sangeskundige Mitglieder der Spielgemeinde mit auf der Bühne. Der Spielplan ist außerdem um das Märchenspiel "Der gestiefelte Kater" des Emslandtheaters erweitert.
Für "Turnwettkämpfe" mit der "Westfalen-Riege" und eine Kundgebung wird die Bühnenanlage zur Verfügung gestellt.
Die Presse schreibt: "Den Höhepunkt und einen Beweis für den großen Widerhall im kulturellen Leben unseres Landes bildete das Erscheinen des Nordwestdeutschen Rundfunks mit einem seiner fähigsten Sprecher, Dr. Ernst."
Die Freilichtbühne besitzt noch immer keine überdachten Räume - weder für Menschen noch für Material. Die geplante Schaffung eines Abstell- und Umkleideraumes entfällt aus unbekannten Gründen. "Ja, und die Schauspieler", so schreibt die Presse, " - na, was haben sie bisher getan? Schließlich ist es doch wirklich eine Freilicht- und -Luftbühne...". Die Spielzeit 1948 eröffnet mit zwei Gastspielen "Schwarzwaldmädel" des Stadttheaters Osnabrück unter Mitwirkung von Mitgliedern der Tecklenburger Spielgemeinde. Am 23.05. steht die Bühne dem Graf-Adolf-Gymnasium anlässlich dessen 25-jährigem Jubiläums für das von Dr. Wilhelm Goez (Mitglied des Lehrkörpers) geschriebene Festspiel "Der Tanz von Tecklenburg", Inszenierung Studienrat Kurt Lorenz (Mitglied der Spielgemeinde und später langjähriger 2.Vorsitzender und künstlerischer Beirat des Vereins) zur Verfügung. Als zweites Stück eines einheimischen Dichters wagt man am 30. 05. von Dr. Ernst Budde "Der Schuß nach Münster", in dem es um die friedliche Lösung kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen dem Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Münster geht. Das Stück wird als reines Laienspiel gebracht. Als Regisseur ist Egon Schmid (1897 - 1955), ein sehr erfahrener Freilichtbühnen-Regisseur, engagiert. Er war von 1931 - 1939 Intendant des "Bergwald-Theaters Weissenburg", in dem 1933 in Anwesenheit von Dr. Göbbels der anfangs erwähnte "Reichsbund ..." gegründet worden war. Weissenburg, Wunsiedel und Rudolstadt erhielten den Zusatznamen "Reichswichtige Freilichtspiele", Egon Schmid in Ableitung den Spitznamen "Reichswichtiger Egon".
In die Vorstellungsfolge von "Der Schuß nach Münster" fällt am 21. 06. 1948 die Währungsreform. Man entschließt sich die Freilichtspiele fortzusetzen. Der Spielplan wird also erfüllt mit "Götz von Berlichingen" von Goethe, Spielleitung Bernd Hellmann vom Staatstheater Dresden. Nach einer Vertriebenenkundgebung wird mit Gastspielen "Der Zigeunerbaron" des Stadttheaters Osnabrück unter Beteiligung des Spielgemeindechores die Spielzeit beendet.

Faust 1949
Mit Intendant Egon Schmid bereitet der "Spielgraf" Heinrich Steuber die Spielzeit 1949 - "Das Goethejahr" - vor. Es werden zunächst vier Werke vorgesehen: "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber, "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe, "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare und "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauß. Die Aufführungen werden aus Witterungs- und vielleicht aus anderen Gründen - wer will das endgültig beurteilen - nicht gut besucht; man setzt den "Zigeunerbaron" ab (Warum ?) und setzt dafür "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, "Preciosa" von Carl Maria von Weber, "Rübezahls lustige Streiche", ein Märchenspiel und Schillers "Teil" auf den Plan. Für das Gelingen des festlichen Programms wird ein in den hinter der Bühne gelegenen Apfelgarten ragender Ausbau -Altane- errichtet, der der Bühne mehr Tiefe gibt und unter dem Umkleideräume für die Solisten geschaffen werden. Außerdem wird eine Holzbaracke gekauft und auf dem z. Burghof als Umkleideraum für die weiblichen Mitglieder des Ensembles aufgestellt. Die Ruinenreste der gräflichen Kornkammer - nach oben und nach vielen Seiten offen - dienen als Umkleidegelegenheit für die männlichen Mitglieder. Sie werden 1954/55 zum heutigen "Rittersaal" ergänzt. Die alte Burgmauer wird hinter dem Apfelgarten durchbrochen zu einem Zugang zum Auftritt und zum Spielgeschehen.
Der Intendant Schmid hatte in "Weissenburg" neben seiner anerkannten künstlerischen Begabung den Ruf eines "glänzenden" - in Finanzangelegenheiten "indes etwas großzügigen, Organisators". Keiner erkannte, dass man eine schlecht laufende Spielzeit nicht durch zusätzliche Neuinszenierungen retten kann. Jedes Stück hat seine Anlaufkosten und braucht seine Anlaufzeit. Das Ergebnis ist trotz einer künstlerisch hochwertigen Spielzeit - Osnabrück bat um drei Gastspiele vor dem Rathaus und erhielt sie - ein Defizit, das die kleine Stadt Tecklenburg als Rechtsträger abdecken muss. Tecklenburg, gewohnt, dass die Bühne Überschüsse erarbeitete, beendet die "Rechtsträgerschaft."
Eine Gruppe tatkräftiger Männer, an dem Fortbestand der Bühne interessiert, möchte die Bühne durch Gründung eines Träger-Vereins verselbständigen und auf eigene Füße stellen. Es kommt natürlich zu Querelen zwischen der bisherigen Leitung der Spielgemeinde und den potentiellen Vereinsgründern. Ein verantwortungsbewusster Kreis kaufmännisch erfahrener Männer gründet den Verein "Freilichtspiele Tecklenburg e.V.", die Stadt überträgt die Fortführung des Bühnenbetriebs diesem, der sich seinerseits verpflichtet, der Stadt den Defizitbetrag des Jahres 1949 in Raten zu erstatten.
Die Gründung des Vereins findet in Tecklenburg und auch in der Region lebhafte Zustimmung, großes Interesse und Wohlwollen. Der Kreis Tecklenburg bezuschusst - als Starthilfe gedacht - die Bemühungen um eine Fortsetzung der Spiele.
Die Spielzeit 1949, die künstlerisch auf höchstem Niveau lag, hat die alte Weisheit: "Geschäft und Kultur sind feindliche Brüder", bestätigt. Kulturinstitute müssen und achten in der Regel auch darauf, dass künstlerisches Wollen und finanzielles Können im Einklang sind. Es ist daher wichtig, dass für künstlerische Aufgaben engagierte Kräfte keinen Einfluss auf das Finanzgebaren erhalten.
Der inzwischen gewählte Vorstand des neuen Vereins nahm die Arbeit auf. Neben dem Aufbau der Vereinsstrukturen und Bildung der vorgesehenen Arbeitsausschüsse musste die Spielzeit 1950 vorbereitet werden. Nach dem Grundsatz: Bewährtes bewahren und stets nach Neuem, Besserem suchen, setzt man das klassische Schauspiel und die seit 1936 - zwar immer nur als Gastspiel - gebrachte Operette auf den Spielplan; auch weil sie derzeit an den Theatern das meiste Geld bringen muss. Auch will man die tragenden Rollen dem Künstler, dem Berufenen, der seine Kunst beherrscht, vorbehalten; die Laien - besser Amateure - übernehmen nach Begabung kleinere Rollen, Chor- und Statisterieaufgaben; inzwischen im 50. Jahr als "Tecklenburger Mischstil" praktiziert.
Zur Realisierung wird der von den Vorgängern eingeleitete Plan einer Zusammenarbeit mit einem Theater - Lortzing-Theater Osnabrück - weiter verfolgt und ein entsprechender Vertrag abgeschlossen. Das hat gegenüber einem "Gastspiel" den künstlerischen Vorteil, dass das Werk auf die Gegebenheiten der Freilichtbühne und die Gesetze des Freilichttheaters Rücksicht nehmend inszeniert wird und nicht einfach von einem Innentheater übertragen wird.
Daneben strebt die Vereinsleitung - mit Erfolg - die Anerkennung der "Gemeinnützigkeit" und der künstlerischen Bedeutung durch die Landesregierung an. So erhält die Bühne am 22.05.1950 folgendes Telegramm: "In Würdigung der kulturellen Bedeutung bin ich bereit, die Schirmherrschaft über die Tecklenburger Freilichtspiele zu übernehmen. Ich wünsche für das Gelingen des Festspielsommers 1950 besten Erfolg. Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Gez. Arnold."
Alles läuft prächtig an. Man steht kurz vor der Premiere "Ännchen von Tharau", da schlägt das Schicksal zu. Das zerbombte Theatergebäude in Osnabrück ist wieder bespielbar und soll zur neuen Saison - August/September - eröffnet werden; die Stelle des Intendanten war ausgeschrieben. Axel Kreuzinger, der Vertragspartner des Vereins, der als Hauptgesellschafter mit Zuschüssen der Stadt Osnabrück in der "Blumenhalle" den Theaterbetrieb aufrechterhalten hatte und das gesamte Personal - Orchester, Chor, Technik, Werkstätten usw. - beschäftigt hatte, hatte sich auch beworben und hoffte auch, es zu werden. Beworben hatte sich auch Eugen Pabst, ein erfahrener Künstler von hohen Graden, so geschaffen, wie man sich damals einen Intendanten vorstellte; und er wurde es. Darüber hinaus zahlte Osnabrück aus dem am 01.04.1950 begonnenen Haushaltsjahr, also das letzte Viertel für die laufende Spielzeit, keine Zuschüsse mehr an Kreuzinger, sondern stellte sie dem neuen Intendanten für die neue Spielzeit zusätzlich zur Verfügung.
Wie sollte es weitergehen? Unser Vertragspartner war bankrott. Sein oder Nichtsein war nun die Frage.
Der Vorstand entschließt sich nach langen, dramatischen Sitzungen, alle benötigten Kräfte des Lortzing-Theaters einzeln für "Ännchen von Tharau" zu engagieren und den außerdem geplanten "Vogelhändler" abzusetzen; "Ännchen von Tharau" wird dafür weitergespielt.

Ännchen von Tharau 1954
Diese Entscheidung ist vom Glück begleitet und der Auslöser für die noch heute geübte Praxis.
Das Bemühen, die Zahl der spielbaren Schauspiele zu erweitern, führt nicht zu dem erwünschten Erfolg. "Wilhelm Tell", "Die Nibelungen" werden gut besucht, "Die Jungfrau von Orleans", "Götz von Berlichingen" und "Wallenstein" kaum ausreichend und "Weh' dem, der lügt", "Die Räuber", "Käthchen von Heilbronn", "Fiesco" und "Der Widerspenstigen Zähmung" völlig unzureichend. Das Schauspiel wird mit Ablauf der Spielzeit 1965 schweren Herzens abgesetzt. Ein Wiederaufnahmeversuch 1970 mit "Katharina Knie" bringt ganze 2.550 Besucher.
Insgesamt haben von 1924 bis 1970 rund 720.000 (719.766) Personen das Schauspiel besucht.
Der Besuch der Operetten ist hervorragend. Der Erfolg ermutigt im Jubiläumsjahr 1954 zusätzlich eine Oper auf den Spielplan zu setzen. "Der Freischütz" findet sein Publikum. Der Versuch, anstelle der Operette eine Oper allein als Hauptstück zu bringen, misslingt. Es liegt gewiss nicht an Smetanas "Die verkaufte Braut" und auch nicht am verregneten Sommer 1956 allein; der Kreis der Opern-Liebhaber ist einfach nicht groß genug.
Der Erfolg eines im Winterprogramm durch ehrenamtliche Bühnenmitglieder 1953 mit Erfolg aufgeführten Volksstückes führt zur Spielplanerweiterung mit geringem Risiko: "Wenn der Hahn kräht". Das finanzielle Ergebnis der Spielzeit wird dadurch verbessert.
Das Volksstück steht von nun ab auf dem Spielplan zu Beginn jeder Saison und erleichtert die finanzielle Anfangssituation.
Neben der Bewältigung des Spielbetriebes war auch die Herstellung der nötigsten Gebäude, Einrichtungen und Anlagen in Angriff zu nehmen. Eine gewaltige Arbeit für einen Verein als Rechtsträger in einem kleinen Ort (Stadt?) mit überwiegend nur ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern. Das Gelände befand sich in vieler Hinsicht noch immer fast im Zustand von 1787; kein Wasser-, kein Kanalisations- und kein Stromanschluss. Anschlüsse wurden 1951 hergestellt. Etwa in der Reihenfolge der Erstellung konnten folgende Verbesserungen vorgenommen werden:
- Toilettenanlage - ohne Wasserspülung - für das Publikum
- Scheinwerfer, Verstärkeranlage mit Mikrofonen und Lautsprechern
- Räume für die Lagerung des technischen Materials
- Bau (19 m x 4 m) von 2 Garderoben und der Maskenbildnerei
- Bau des "Rittersaals" mit Spitzboden (ehemalige gräfl. Kornkammer)
- Toilettenanlage z. Burghof mit Duschen für die Mitwirkenden
- Abbau Podeste, Ausgrabung Orchestergraben mit Plane als Überdachung
- Beleuchtungs- und Tonleitstand mit Scheinwerfer- und Lautsprecherständen
- Erweiterung der Altane, größere Auftrittsmöglichkeit aus der Tiefe (Steg und Treppe) und Toiletten für Solisten (1958), erneuert 1977 und Bau Requisite
- Bau eines Bewirtungsstandes für das Publikum (vorher nur Bauchläden)
- Bau eines Kassenhäuschens für hinteren Eingang
- Einbau von Türen in beiden Toren und sonstigen Eingängen
- Erschließung des Geländes durch Wege und Treppen für Bühnenauftritte und für das Publikum einschließlich Beleuchtung
- Asphaltierung der Bühnenfläche, Torgewölbe und Zuschauerraum-Wege
- Zuschauerbänke von 1934 mussten 1952 und diese 1983 komplett erneuert werden.
- Das städtische Feuerwehrhaus musste für das Geschäftszimmer, die Schneiderei und den Kostümfundus ausgebaut werden und nach Kauf des Gebäudes zu Sitzungszimmer, Hauptkasse, Büro- und Aktenräumen umgebaut werden.
Die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten erleichterte einige Male die Bewilligung von Zuschüssen für einige der Baumaßnahmen. Es gelang auch, dass Min.Präs.Arnold einer Einladung zu einem Besuch der Freilichtspiele folgte. Es war ein großes Ereignis: Vormittags "Schiller-Gedenk-Feier" zum 150. Todestag mit einer Rede des Germanisten Benno von Wiese, einem festlichen Mittagessen, der Premiere am Nachmittag von "Die Jungfrau von Orleans" und der Premierenfeier am Abend mit Ausschnitten aus "Der Bettelstudent", alles in Anwesenheit des Min. Präs. Arnold.

Die Jungfrau von Orleans 1955

Der Bettelstudent 1955
Aber auch Veränderungen in der Gesellschaft erschwerten die Bühnenarbeit:
- Zunahme anderer Unterhaltungsangebote, insbesondere Beginn des Fernsehens und die stete Zunahme der Besitzer von Fernsehgeräten
- Die Umstellung auf die 5-Tage-Woche; der Samstag als "Betriebsausflugstag" entfiel
- Zunahme des Individual-Verkehrs (eigenes Auto), Abkehr von Bussen, die vorher bestellt werden mussten. Außerdem führte es zur Parkplatznot, so dass die Bühne die Planierung des Parkplatzes am Rathaus und der Zufahrtsstraße (Verbreiterung des Howesträßchens) einschließlich Bau der Toilette in der Jahnstraße bezahlte
- Sendungen der Aufführungen des "Ohnesorg-Theaters" durch das Fernsehen mit denselben Stücken
- Zunahme der Witterungsempfindlichkeit der Besucher; Zeit der Loden- und Kleppermäntel ging zu Ende.
Laut Vereinssatzung ist neben der Durchführung der Freilichtspiele die Förderung des kulturellen Lebens in Tecklenburg Aufgabe des Vereins. Dieser entledigt sich dieser Aufgabe in mannigfaltigster Form u. a. durch Aufführungen von Theaterstücken im Winter. In diesem Rahmen wurde im Winter 1962/63 das Märchenspiel "Das tapfere Schneiderlein" aufgeführt und wegen des großen Anklangs ins Sommerprogramm auf der Freilichtbühne übernommen. Seitdem ist das Märchen - seit 1972 als Märchen-Musical - fester Bestandteil der Bühnenprogramme.

Pipi Langstrumpf 1979
Die Aufführungen der Volksstücke wurden wegen nachlassender Besucherzahlen eingestellt. Das Interesse an Opern-Aufführungen wurde in zwei Testreihen - 1958 bis 1963 und 1974 bis 1980 - untersucht, leider , trotz hervorragender Kritiken, mit finanziell nicht ausreichendem Ergebnis.

Die Csárdasfürstin 1961
Neben den Sparten Schauspiel, Operette/Musical, Volksstück und Märchen/-musical in unterschiedlichen Zeitabschnitten haben die Freilichtspiele Sonderveranstaltungen gebracht, sei es die großartige Veranstaltung der KAB Laggenbeck "Europäische Jugend spielt, singt und tanzt", die alle 5 Jahre stattfindet, die Welturaufführung des sacro-pop-musicals "Menschensohn" 1972, die großen Festgottesdienste, Kreisheimattage, Blaskonzert des WDR 1970, Internationaler Frauentag der SPD 1971, Siegesfeier der Berliner Pankgrafen 1968, Kreismusikfest, Open-Air-Festival 1983, das "Sonntagskonzert des ZDF" 1990 und die eigenen Sonderveranstaltungen wie Wohltätigkeits-Militärkonzerte, Afrikanisches Ballett Senegal, Bolivianische Folklore, Sonderveranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und zu Gunsten der Aktion Sorgenkind.

Kiss me Kate 1972
Zwanzig Jahre mit Überlegungen, Besprechungen, Verhandlungen, Plänen und Entwürfen bedurfte es bis es 1993 endlich Wirklichkeit wurde: "Das Mobile Dach". Dieses Dach, das nicht nur Regendach, sondern auch Sonnensegel ist und die Akustik verbessert hat, hat seine eigene Dynamik entwickelt. So kann die Planung und können die Angebote mit größtmöglicher Sicherheit, dass sie auch verwirklicht werden, behandelt werden und Veranstaltungen mit höherem finanziellen Risiko angegangen werden. Noch drücken uns zwar die Herstellungskosten, aber wir werden es überstehen, wie wir bisher mit allen Widrigkeiten fertig geworden sind.

Bau der mobilen Überdachung 1992/93

...Abschluss der Bauarbeiten 1993
Neben den traditionellen Aufführungen unserer Spielpläne gibt es nun: "Gala-Konzerte" mit hochkarätigen Künstlern wie z.B. Rene Kollo, Nicolai Gedda, Francisco Araiza; Opern-Gastspiele wie "Aida", "Nabucco", "Carmen", "Der Troubadour", "Die Zauberflöte" und Konzerte wie "Carmina Burana", "Amur-Don-Kosaken", "Festival Internationaler Chorwerke" oder Veranstaltungen wie "Ein Nachmittag mit Ilse Werner", 4 x "Die Oldie-Open-Air-Fete", 2x "Cale-Copf-Company", "Papageno erzählt die Zauberflöte" und als jeweils dritte Eigenproduktionen "Hair", "THE ROCKY HORROR SHOW" und "Ein Käfig voller Narren".

Hair 1996

Der Zigeunerbaron 1996
Es kann nicht über alles berichtet werden; das vorhandene Material ist nur schwer zu erfassen. Entscheidend sollte sein, dass wir der Menschen der ersten Zeit gedenken und uns erfreuen an dem, was sie begonnen, was weiter geschaffen werden konnte und das Millionen Zuschauern Entspannung, Unterhaltung und eindrucksvolle Erlebnisse vermittelt hat.
Lasst uns aus dieser Freude die Kraft schöpfen für weitere Arbeit und die Gabe, dieses Wollen immer wieder an Jüngere weitergeben zu können.
Dietrich Becker
(Ehrenvorsitzender, verstorben 2006)
[Quelle: 75 Jahre Freilichtspiele Tecklenburg - Eine Dokumentation zur Bühnengeschichte]


















